Straßenkerb in Altenhaßlau - „Gelnhäuser Tageblatt"
Am ersten Augustwochenende 2011 fand die 18. Straßenkerb in schönen Dorfkern in Altenhaßlau statt. Wir veröffentlichen an dieser Stelle den im „Gelnhäuser Tageblatt" erschienenen Presseartikel, der unten in seiner Vollständigkeit nachzulesen ist.
Lokalteil des „Gelnhäuser Tageblatt", am Montag, 08.08.2011
Gewagter Kerbburschentanz und Winnetou am Kreisel
Straßenkerb in Altenhaßlau – Dorfführungen erfolgreich – Burschen im „Boratkostüm"
(Von Holger Ettel)
Linsengericht. Für viel Gesprächsstoff beim Publikum und Begeisterung bei den weiblichen Fans sorgte der Tanz der „Kerbborsche" am Samstagabend in Altenhaßlau. Schon im Vorfeld als „skandalös" angekündigt, trauten sich die Jungs im „Boratkostüm" auf die Aktionsbühne am Dalles. Ein neongrüner Stingtanga mit dünnen Trägern verhüllte wirklich nur das Allernötigste. Natürlich wurde eine Zugabe verlangt und auch gegeben.
Züchtig war es am Nachmittag gegen 15 Uhr mit dem Öffnen der Stände losgegangen. Bereits am Vormittag hatten die „Kerbborsche" ganz traditionell Eier zum Backen und Spenden eingesammelt. Um 13 Uhr öffnete die Ausstellung des Geschichtsvereins und der Ikebanagruppe im Dorfmuseum ihre Pforten. Bilder aus dem 20. Jahrhundert waren hier zu sehen, auch ein Film aus den 50er Jahren kam an beiden Tagen zur Aufführung. Japanische Gestecke in alten Gefäßen boten eine wohlriechende Auflockerung zwischen den Stelltafeln mit historischen Bildern. Auch das Radiomuseum in der alten Schule war an beiden Tagen für die Besucher geöffnet.
Eine Zeitreise der besonderen Art boten wieder die beliebten Dorfführungen. Angeführt von „Karl" und „Heinz" ging es am Samstag, noch bei schönem, aber schwülem Sommerwetter, in zwei großen Gruppen mit jeweils etwa 100 Teilnehmern und Trommelklang auf die erste Tour in die Dorfgeschichte mit Szenen, wie sie hätten sein können. Von den Römern, die sich von chattischen Schönheiten den Kopf mit „Äbbelwoi" waschen ließen, über die Pest im Jahr 1642, als die „Haselaner" lieber auf ihre Kräuterfrau als auf den Geylenhusner" Pestarzt vertrauten, ging es in den Hof der Wernigs, wo ein traditioneller „Kerbwoache" aus der Nachkriegszeit geschmückt wurde. Die Pferde waren im Streik, also mussste ein schöner alter Lanz-Bulldog ran, damals noch „neumodischen Zeuch", so die Inszenierung. Zum Abschluss der Führung wurden Hochzeitsvorbereitungen aus den Dreißiger Jahren gezeigt: Das Waschen der Aussteuer, das Rupfen der Hühner für die Suppe und das Kuchenbacken. Hier war zu erfahren, dass damals das Backen von Buttercremetorte wohl noch ein Geheimnis war: Sie wurde eigenes in Großenhausen in Auftrag gegeben. Die Führungen endeten an der Aktionsbühne. Vor dem Gemeindehaus Reinhardtskirche wurde gegen 18 Uhr die Kerb ausgegraben. Die „Kerbborsche" fanden im Untergrund die Amarettoflasche, die ihre Vorgänger nur zu Hälfte geleert hatten. Unverdrossen trotzen die Kerbaktiven und vielen Besucher dem einsetzenden Gewitterregen und gingen mit etwas Verspätung gegen 18.30 Uhr auf den Kerbzug. Auch Bürgermeister Albert Ungermann, die wahre „Kerbmutter" Ingrid Schmidt und Vereinsringvorsitzender Klaus Paul warfen dabei „Gutsje" in die jubelnde Menge. Schwer zu tragen hatten die sieben „Kerbborsche" dabei am Kerbbaum, der am „Dalles" mit tatkräftiger Hilfe der Freiwilligen Feuerwehr Altenhaßlau aufgerichtet wurde. Ihre Kollegen vom Musikzug der Feuerwehr aus Hain-Gründau gestalteten den Nachmittag und frühen Abend mit volkstümlichen Weisen musikalisch. Für viel Heiterkeit sorgte Kerbredner Wulf Planer, vor allem mit seinen Vorschlägen zur Nutzung der Kreiselbaustelle, „.. mit 70 Metern Durchmesser einer der fünf Größten in Deutschland". Karl-Maiy-Festspiele könne es hier geben: „Des Rückhaltebecke gibt de Silbersee, die Dreckhaufe eine wunderschöne Freilichtbühne." Wo er schon mal dabei war, eröffnete er auch gleich die Kerb offiziell. So blieb Albert uUngermann nur der Anstich des Fässchens mit Freibier für die „Kerbborsche" gestiftet vom Brauhaus Linsengericht. Musikalisch ging es nach dem gewagten Kerbtanz weiter mit den Original Kasseler Musikanten (OKM) aus Biebergemünd. Das Orchester war fas vollzählig angereist, etwa 40 Musikerinnen und Musiker unterhielten das Publikum mit bähmischen Klängen. Vom Vorsitzenden Fredi Schmitt war zu erfahren, dass die OKM vor kurzem mit großem Erfolg einen Auftritt beim Bezirksmusikfestival in Gries am Sellrain in Tirol absolvierten. Der Regen hatte inzwischen nagelassen, und so trauten sich viele Besucher aus ihren Häusern, auch um mit Kindern den kleinen Rummelplatz zu besuchen oder der Musik zu lauschen. Bis tief in die Nacht ging das schöne Fest weiter und nur wenige Stunden war Pause, bevor am Sonntag weitergefeiert wurde.




